„Die Krankheit geht, wenn sie ihren Zweck erfüllt hat.“

Dieses wunderbare Zitat von Paracelsus bringt meine eigenen Erfahrungen auf den Punkt:

Vor über 25 Jahren erwachte ich an meinem ersten Urlaubstag in den Sommerferien mit hohem Fieber. Das Fieber kam völlig ohne Vorwarnung wie angeflogen. Nach einigen Tagen war ich dann zwar wieder fieberfrei, aber es ärgerte mich trotzdem sehr. Der Urlaubsstart war futsch. Ich dachte, ich hätte mich in den letzten Arbeitstagen in der Praxis angesteckt.

Wie auch immer, es war wieder weg und ich genoss die restlichen Ferien.

Doch im nächsten Urlaub wiederholte sich das Ganze und ich kam ins Grübeln: Jedes Mal im Urlaub wurde ich krank. Das war schon irgendwie seltsam.

Nach reiflicher Überlegung und nach einigen anderen Warnsignalen wurde mir klar, dass ich so nicht weitermachten konnte wie bisher. Auf der einen Seite: zu viel Arbeit, zu wenig Schlaf und dauernd im Einsatz. Irgendwie glaubte ich, ich müsse mich ständig um alle anderen kümmern. Rund um die Uhr. Andererseits: Viel zu wenig Zeit für mich und das, was im Leben wichtig ist: Kinder, Familie, Freunde. Und heute überlege ich, ob dieses übermäßige Arbeiten nicht vielleicht auch eine Flucht vor mir selbst war. Da ich diese innere Not nicht wahrhaben konnte und wollte, musste mir mein Körper erst ein deutliches Signal geben.

Unser Immunsystem braucht Aufmerksamkeit und Pflege

Für uns ist es selbstverständlich, unser Handy aufzuladen, unsere Sommer- und Winterreifen zu wechseln oder bei Regen einen Regenschirm zu nehmen, allerdings vergessen wir häufig, dass unsere Gesundheit, basierend auf einem starken Immunsystem auch Aufmerksamkeit und Pflege braucht.

Für einen ganzheitlichen Ansatz spielt unsere geistig-seelische Verfassung eine entscheidende Rolle: Unser Geist und unsere Gefühle steuern und beeinflussen alle Prozesse in unserem Körper. Unser zentrales Nervensystem ist für viele Faktoren unserer Immungesundheit verantwortlich. Negativer Stress, Hektik, Traumata und andere unsere Seele belastende Faktoren nehmen wir häufig leider nicht richtig wahr. Aber genau diese Faktoren führen dazu, dass unser Immunsystem angegriffen wird. Die Wahrscheinlichkeit nimmt zu, dass wir krank werden. Unser Körper verordnet uns dann die NOT-wendige Ruhe.

Das eigene Leben wagen

In diesen Situationen zeigt uns unser Körper über diese Erkrankung, dass unsere seelische Balance im Ungleichgewicht ist. Das Verdrängen oder Nicht-Wahrhaben-wollen unserer emotionalen Belastungen ist somit kein guter Weg, mit Problemen umzugehen. Durch konsequente Entschleunigung und Zeit für sich selbst haben können wir schon sehr viel erreichen. Verschiedene beruhigende Übungen wie Mediation, autogenes Training, Yoga, progressive Muskelentspannung oder Qigong können wir uns auch selbst näherkommen und so unser seelisches Wohlbefinden steigern. Zusammen mit allen anderen immunstärkenden Maßnahmen wie gesunder Ernährung, ausreichendem Schlaf und Bewegung werden wir widerstandsfähiger.

Denken Sie bitte einfach mal darüber nach:

Statt Arbeit vorzuschützen oder sich aufbürden zu lassen, wäre es vielleicht angesagt, mehr Disziplin aufzubringen, erkannte Wahrheiten konsequent umzusetzen. Fremde Wahrheiten zu leben und Erwartungen anderer zu erfüllen, kann nicht das Ziel des Lebens sein. Sondern schon eher: Das eigene Leben wagen.

Wie ging es dann in meiner eigenen Geschichte weiter?

Ein recht radikaler Wandel stand für mich an. Ich entschloss mich, noch einmal neu anzufangen: In einem anderen Bundesland, mit einer neuen Praxis, unter besseren Arbeitsbedingungen. Seitdem sind die Fiebersymptome nie wieder aufgetaucht.

Natürlich muss es nicht immer eine solch‘ komplette Lebensveränderung sein – oft genügt auch ein mehr Bei-sich-sein und Entschleunigen, um seine innere Mitte wiederzufinden und die eigene Gesundheit zu bewahren. Ein Sabbatical, der Verzicht auf eine nächste Karrierestufe oder auch das vermehrte Delegieren von Aufgaben können dafür sorgen, dass mehr Ruhe und Gelassenheit im Leben eingekehrt. Sie schenken sich selbst und Ihren Lieblingsmenschen das Kostbarste, was Sie haben: Zeit. Und Sie werden erfahren, wie sich Ihr Leben und Ihr Zusammen-Leben verändert.

Das Wichtigste:

Einfach machen.

Sich die Frage stellen:
Was kann ich HEUTE tun, um diese Veränderung voran zu bringen?

* Das Titelbild, diese schöne Kalligraphie hat Dietmar Parchow gezeichnet. Es hängt seit vielen Jahren in meiner Praxis und wir freuen uns immer wieder sehr darüber. Herzlichen Dank Herr Parchow!

Ein Gedanke zu „„Die Krankheit geht, wenn sie ihren Zweck erfüllt hat.““

  1. Lieber Herr Dr. Weidner,

    ich bin überrascht, vielen Dank, dass Sie meine Kalligraphie für Ihre Mitteilung verwendet haben.

    Ihre Lebensgeschichte habe ich mit Interesse gelesen, bewundernswert, dass Sie so offen darüber berichten.

    Gudrun hat Ähnliches erlebt und konnte dank Ihrer Unterstützung in der Klinik in Bad Kissingen einen Weg aus ihrer Krankheit finden.

    Es hat mich angeregt, etwas über mich zu berichten.

    Vor vielen Jahren unternahm ich einen Wechsel in meinem Berufsleben, ohne krank gewesen zu sein. Ich war in einem großen Chemiekonzern als Berater tätig und wollte eines Tages nicht mehr in manchen Angelegenheiten für die Firma lügen.

    Aus diesem Grund bereitete ich mich für das Pädagogikstudium vor und bin trotz aller Probleme in diesem Umfeld froh
    diese Entscheidung getroffen zu haben.

    Nach meiner Kündigung wurde ich in die Zentrale geladen und ein Direktor sagte kopfschüttelnd : Aber Herr Parchow, finanziell lohnt es sich doch nicht für sie. Ein anderer , der für das Europageschäft zuständig war, sagte mir unter vier Augen, dass er gerne genauso handeln würde, aber er sei über fünfzig und habe eine Familie.

    Ihnen und Ihrem Team alles Gute

    Dietmar Parchow

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